Ausdauertraining im Jugendfußball wird oft falsch verstanden – und genau hier machen viele Trainer unbewusst entscheidende Fehler.
Während im Erwachsenenbereich häufig auf klassische Dauerläufe oder intensive Intervallformen gesetzt wird, brauchen Kinder und Jugendliche einen völlig anderen Ansatz. Denn: Sie sind keine „kleinen Erwachsenen“. Ihr Körper entwickelt sich noch, ihre Belastbarkeit ist anders – und vor allem lernen sie über Spiel, nicht über monotones Training.
Trotzdem sieht man im Amateurbereich immer wieder das gleiche Bild: Runden laufen ohne Ball, wenig Spielformen und kaum altersgerechte Steuerung der Belastung. Das Problem daran? Die Spieler verbessern sich nicht optimal – und verlieren im schlimmsten Fall sogar die Freude am Training.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Ausdauer im Jugendfußball wirklich sinnvoll trainierst:
praxisnah, kindgerecht und direkt umsetzbar für deinen Trainingsalltag.
Du erfährst:
- welche Ausdauer Kinder überhaupt brauchen
- wie du Training altersgerecht aufbaust
- und welche Spielformen wirklich funktionieren
Wenn du die Grundlagen der gesamten Saisonplanung besser verstehen willst, findest du hier den kompletten Überblick zur Fußball-Vorbereitung.
Besonderheiten im Jugendfußball verstehen
Wer Ausdauer im Jugendfußball trainieren will, muss zuerst eines verstehen: Kinder und Jugendliche reagieren grundlegend anders auf Belastung als erwachsene Spieler.
Der größte Unterschied liegt in der körperlichen Entwicklung. Während Erwachsene bereits ein voll ausgereiftes Herz-Kreislauf-System besitzen, befinden sich Kinder noch mitten im Wachstum. Das wirkt sich direkt auf ihre Ausdauerfähigkeit, ihre Ermüdung und ihre Regeneration aus.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
EEin zentraler sportwissenschaftlicher Grundsatz:
Kinder verfügen über eine geringere anaerobe Leistungsfähigkeit, können dafür aber aerobe Belastungen oft gut verarbeiten.
Die Deutsche Sporthochschule Köln beschreibt in mehreren sportwissenschaftlichen Veröffentlichungen, dass Kinder besonders von spielerischen und intermittierenden Belastungsformen profitieren – also genau den Belastungsformen, die im Fußball typisch sind.
Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) empfiehlt im Kinder- und Jugendtraining klar den Verzicht auf monotone Dauerläufe zugunsten von Spielformen mit Ball.
Das bedeutet konkret für dein Training:
- lange, monotone Läufe bringen wenig
- intensive „Laktat-Einheiten“ sind ungeeignet
- wechselnde Belastungen sind ideal
Wenn du die übergeordneten Zusammenhänge der Trainingssteuerung verstehen willst, findest du hier die [Grundlagen der Fußball-Vorbereitung].
Entwicklung verläuft nicht linear
Ein weitererEin weiterer wichtiger Punkt: Kinder entwickeln sich nicht gleichmäßig.
- Wachstumsschübe beeinflussen Koordination und Belastbarkeit
- Leistungsunterschiede innerhalb eines Teams sind normal
- das biologische Alter ist oft entscheidender als das tatsächliche Alter
Für dich als Trainer heißt das:
👉 Einheitliche Belastungsvorgaben funktionieren im Jugendbereich nur eingeschränkt.
Ermüdung und Regeneration im Jugendalter
Kinder ermüden anders als Erwachsene – und erholen sich oft schneller, solange die Belastung altersgerecht ist.
- geringere Laktatbildung
- schnellere Erholung bei moderater Belastung
- erhöhte Anfälligkeit bei Überlastung
Das führt zu einer zentralen Trainingsregel:
👉 Lieber häufiger, kürzer und variabler trainieren als selten und zu intensiv.
Mehr zur gezielten Steuerung von Belastung findest du im Guide zur Belastungssteuerung in der Fußball-Vorbereitung.
Motivation ist der Schlüssel zur Ausdauerentwicklung
Ein oft unterschätzter Faktor: Motivation.
Kinder verbessern ihre Ausdauer nicht durch isoliertes Konditionstraining, sondern durch:
- Spielformen
- kleine Wettbewerbe
- emotionale Beteiligung
Das bedeutet:
👉 Gute Ausdauerentwicklung ist im Jugendfußball meist ein Nebeneffekt von gutem Training – nicht das Ergebnis klassischer Laufprogramme.
Welche Ausdauer Kinder wirklich brauchen
Wenn Trainer über Ausdauer sprechen, denken viele automatisch an lange Läufe oder klassische Konditionseinheiten. Im Jugendfußball greift dieses Verständnis jedoch zu kurz.
Denn im Fußball geht es nicht um gleichmäßiges Laufen – sondern um wiederholte, intensive Aktionen mit kurzen Pausen. Genau daran sollte sich auch das Training orientieren.
Fußball ist kein Dauerlauf
Ein Spiel besteht aus:
- kurzen Sprints
- Richtungswechseln
- intensiven Aktionen
- aktiven Erholungsphasen
Das bedeutet:
Ausdauer im Fußball ist immer eine Kombination aus aerober und anaerober Leistungsfähigkeit.
👉 Die aerobe Ausdauer sorgt dafür, dass sich Spieler zwischen intensiven Aktionen schnell erholen.
👉 Die anaerobe Ausdauer ermöglicht wiederholte Sprints und hohe Intensitäten.
Wenn du die übergeordneten Zusammenhänge besser verstehen willst, findest du im Guide zur Fußball-Vorbereitung einen umfassenden Überblick über Trainingsschwerpunkte und Belastungssteuerung.
Was bedeutet das für Kinder und Jugendliche?
Im Jugendbereich verschiebt sich der Fokus deutlich:
- aerobe Ausdauer = Grundlage
- anaerobe Belastung = vorsichtig und spielerisch einsetzen
Kinder sind physiologisch noch nicht darauf ausgelegt, hohe anaerobe Belastungen (z. B. intensive Intervallläufe ohne Ball) optimal zu verarbeiten. Gleichzeitig entwickeln sie ihre aerobe Basis sehr gut – vor allem über Bewegung, Spiel und Wiederholungen.
Die Deutscher Olympischer Sportbund beschreibt in seinen Grundlagen zum Nachwuchstraining, dass eine vielseitige, spielerische Belastung im Kindesalter entscheidend für die langfristige Ausdauerentwicklung ist.
Das „goldene Lernalter“ der Ausdauer
Ein zentraler Punkt aus der Trainingslehre:
Das Kindes- und frühe Jugendalter gilt als besonders günstige Phase für die Entwicklung der aeroben Ausdauer.
Warum?
- hohe Anpassungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems
- schnelle Regeneration bei moderater Belastung
- hohe Bewegungsfreude
Das bedeutet für dein Training:
👉 Du legst hier die Basis für die spätere Leistungsfähigkeit deiner Spieler.
Wichtig dabei:
Diese Entwicklung passiert nicht durch isoliertes Ausdauertraining, sondern durch intensive Spielformen mit vielen Aktionen und wenig Standzeit.
Fußballspezifische Ausdauer statt isolierter Kondition
Für den Trainingsalltag heißt das konkret:
Kinder brauchen:
- viele Ballkontakte unter Belastung
- kleine Spielformen mit hoher Aktivität
- wechselnde Intensitäten (Belastung + Pause)
Kinder brauchen nicht:
- lange Dauerläufe ohne Ball
- starre Intervallprogramme
- isoliertes „Kondition bolzen“
👉 Gute Ausdauer im Jugendfußball entsteht fast automatisch, wenn dein Training gut aufgebaut ist.
Unterschiede im Ausdauertraining zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
Ein häufiger Fehler im Amateurfußball: Trainingsinhalte aus dem Erwachsenenbereich werden einfach auf Kinder und Jugendliche übertragen.
Genau das führt jedoch oft zu ineffektivem Training – oder im schlimmsten Fall zu Überlastung.
Denn: Die Unterschiede sind größer, als viele Trainer denken.
Physiologische Unterschiede im Überblick
Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterscheiden sich vor allem in drei Bereichen:
- Energiebereitstellung
- Belastungsverträglichkeit
- Regeneration
Die Deutscher Olympischer Sportbund zeigt in seinen Grundlagen zum Nachwuchstraining, dass sich vor allem die anaerobe Leistungsfähigkeit erst mit zunehmendem Alter vollständig entwickelt.
Das hat direkte Auswirkungen auf dein Training.
Kinder (ca. bis 12 Jahre)
Typische Merkmale:
- geringe anaerobe Leistungsfähigkeit
- gute aerobe Anpassungsfähigkeit
- schnelle Erholung bei moderater Belastung
👉 Konsequenz für dein Training:
- keine isolierten Intervallläufe
- Fokus auf Spielformen
- viele kurze Belastungen statt langer Einheiten
Jugendliche (ca. 13–18 Jahre)
Typische Merkmale:
- zunehmende anaerobe Leistungsfähigkeit
- stärkere individuelle Unterschiede (Pubertät!)
- steigende Belastungsverträglichkeit
👉 Konsequenz für dein Training:
- erste gezielte Ausdauerreize möglich
- Intensität kann schrittweise gesteigert werden
- Belastung muss individuell angepasst werden
👉 Wichtig:
Nicht jeder Spieler ist gleich weit – biologische Unterschiede sind entscheidend.
Erwachsene
Typische Merkmale:
- voll entwickelte aerobe und anaerobe Systeme
- hohe Belastbarkeit
- gezielte Trainingssteuerung möglich
👉 Konsequenz für dein Training:
- strukturierte Intervallmethoden sinnvoll
- gezieltes Laktattraining möglich
- klare Periodisierung notwendig
Mehr zur übergeordneten Trainingsstruktur findest du im [Guide zur Fußball-Vorbereitung].
Der größte Denkfehler im Jugendtraining
Viele Trainer orientieren sich an Methoden aus dem Herrenbereich:
- Intervallläufe ohne Ball
- feste Laufprogramme
- Fokus auf „Kondition bolzen“
Das Problem:
👉 Diese Methoden ignorieren die Entwicklung der Spieler.
Im Jugendbereich gilt stattdessen:
- Training muss entwicklungsorientiert sein
- Ausdauer entsteht über Spielnähe
- Belastung wird indirekt gesteuert
Kurzvergleich für die Praxis
| Bereich | Kinder | Jugendliche | Erwachsene |
|---|---|---|---|
| Fokus | Spiel & Bewegung | Entwicklung & Aufbau | Leistung & Optimierung |
| Ausdauertraining | implizit (Spielformen) | kombiniert | gezielt & strukturiert |
| Intensität | niedrig bis moderat | steigend | hoch |
| Steuerung | einfach | individuell | präzise |
Praxis-Fazit für dich als Trainer:
Je jünger deine Spieler sind, desto weniger solltest du in klassischen Ausdauer-Methoden denken – und desto mehr in Spiel, Bewegung und Entwicklung.
Trainingsprinzipien im Jugendbereich
Wenn du Ausdauer im Jugendfußball verbessern willst, kommt es nicht auf einzelne Übungen an – sondern auf die richtigen Trainingsprinzipien.
Denn: Gute Ausdauer entsteht im Jugendbereich nicht durch isoliertes Konditionstraining, sondern durch die Art, wie du dein Training insgesamt gestaltest.
1. Spielformen statt isoliertes Ausdauertraining
Das wichtigste Prinzip vorweg:
Kinder und Jugendliche entwickeln ihre Ausdauer am besten im Spiel.
Warum?
- hohe Intensität durch Wettkampfcharakter
- natürliche Wechsel zwischen Belastung und Pause
- gleichzeitig technische und taktische Entwicklung
Die Deutscher Fußball-Bund (DFB) betont in seiner Trainingsphilosophie, dass Kinderfußball vor allem durch viele Ballaktionen, kleine Spielformen und hohe Aktivität geprägt sein sollte.
👉 Für dich als Trainer bedeutet das:
Ersetze klassische Laufübungen durch:
- 3 gegen 3 / 4 gegen 4
- kleine Felder
- klare Spielaufgaben
2. Belastung über Organisation steuern – nicht über Laufstrecken
Im Jugendtraining steuerst du die Intensität nicht über Kilometer oder Zeiten, sondern über die Trainingsform.
Du kannst Belastung gezielt beeinflussen durch:
- Feldgröße
- Spieleranzahl
- Dauer der Spielformen
- Pausenlänge
Beispiel:
- kleines Feld + wenige Spieler = hohe Intensität
- großes Feld + viele Spieler = geringere Intensität
👉 Das ist deutlich effektiver als „Runden laufen lassen“.
Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst, findest du hier die [Grundlagen der Fußball-Vorbereitung].
3. Viele Wiederholungen bei moderater Belastung
Ein zentrales Prinzip im Jugendtraining:
Lieber viele Aktionen als wenige, dafür intensive.
- kurze Belastungszeiten
- häufige Wiederholungen
- ausreichend Pausen
Das passt optimal zur physiologischen Struktur von Kindern:
👉 Sie lernen durch Wiederholung – nicht durch maximale Belastung.
4. Spaß ist ein Leistungsfaktor
Im Jugendbereich ist Motivation kein „Nice-to-have“, sondern ein entscheidender Trainingsfaktor.
Nur wenn Kinder:
- aktiv beteiligt sind
- Erfolgserlebnisse haben
- Freude am Training entwickeln
→ entsteht langfristige Leistungsentwicklung.
👉 Deshalb gilt:
Ein intensives Spiel ist oft wirksamer als jede geplante Ausdauereinheit.
5. Individuelle Entwicklung berücksichtigen
Gerade im Jugendbereich ist kein Spieler wie der andere.
- Wachstumsschübe
- unterschiedliche körperliche Entwicklung
- große Leistungsunterschiede
👉 Deine Aufgabe als Trainer:
Belastung flexibel anpassen – nicht starr vorgeben.
Das erreichst du z. B. durch:
- differenzierte Teams
- variable Feldgrößen
- angepasste Spielregeln
6. Ausdauer entsteht „nebenbei“
Das vielleicht wichtigste Prinzip zum Schluss:
👉 Du musst Ausdauer im Jugendfußball selten isoliert trainieren.
Wenn dein Training:
- intensiv
- spielnah
- gut organisiert
ist, dann entwickelt sich die Ausdauer automatisch mit.
Praxisübungen Ausdauertraining für jede Altersstufe
Im Jugendfußball entsteht Ausdauer vor allem durch gut gewählte Spielformen. Entscheidend ist dabei, dass die Übungen zur jeweiligen Altersstufe passen.
Hier findest du konkrete, praxiserprobte Spielformen – direkt umsetzbar für dein Training.
Bambini & F-Jugend (ca. 5–8 Jahre)
👉 Ziel: Bewegung, Spaß und viele Ballkontakte
Übung: Fangspiel mit Ball
Organisation:
- Feld: ca. 15 x 15 Meter
- jeder Spieler mit Ball
- 1–2 Fänger ohne Ball
Ablauf:
- Spieler dribbeln frei im Feld
- Fänger versuchen, Bälle ins Aus zu spielen
- betroffene Spieler holen Ball zurück und machen weiter
Coachingpunkte:
- viele Richtungswechsel
- Ball nah am Fuß führen
- Kopf oben
Belastung:
- 3–4 Durchgänge à 2–3 Minuten
- kurze aktive Pausen
👉 Effekt:
Hohe Bewegungsaktivität + erste Ausdauerentwicklung ohne Druck
E- & D-Jugend (ca. 9–12 Jahre)
👉 Ziel: spielerische Ausdauer + erste Intensitätssteuerung
Übung: 3 gegen 3 auf kleine Tore
Organisation:
- Feld: ca. 25 x 20 Meter
- 2–4 Teams
- kleine Tore oder Dribbeltore
Ablauf:
- 3 gegen 3 im Wechsel
- Spielzeit: 2–4 Minuten
- danach kurzer Wechsel
Coachingpunkte:
- schnelles Umschalten
- aktiv freilaufen
- viele Abschlüsse
Belastung:
- hohe Intensität durch kleine Teams
- kurze Pausen zwischen den Spielen
👉 Variation:
- Kontakte begrenzen
- Zusatzaufgaben (z. B. Tore nur nach Passfolge)
👉 Effekt:
Optimale Kombination aus Technik, Spielverständnis und Ausdauer
C- bis A-Jugend (ca. 13–18 Jahre)
👉 Ziel: fußballspezifische Ausdauer gezielt entwickeln
Übung: 4 gegen 4 + 4 Anspieler
Organisation:
- Feld: ca. 30 x 25 Meter
- 4 gegen 4 im Feld
- 4 neutrale Anspieler außen
Ablauf:
- Ballbesitzspiel mit Anspielern
- hoher Ballumlauf
- nach Ballverlust sofortiges Umschalten
Coachingpunkte:
- Spieltempo hoch halten
- schnelle Entscheidungen
- aktive Bewegung ohne Ball
Belastung:
- 3–5 Durchgänge à 3–5 Minuten
- kurze Pausen (1–2 Minuten)
👉 Variation:
- Kontaktbegrenzung
- Richtungswechsel nach Ballgewinn
👉 Effekt:
Hohe Intensität mit klarer Ausdauerkomponente (aerob + anaerob)
Intensität gezielt steuern (für alle Altersklassen)
Du kannst jede Übung ganz einfach anpassen:
Intensität erhöhen:
- kleineres Feld
- weniger Spieler
- kürzere Pausen
Intensität reduzieren:
- größeres Feld
- mehr Spieler
- längere Pausen
👉 So steuerst du Ausdauer, ohne das Training komplizierter zu machen.
Wenn du tiefer in die Belastungssteuerung einsteigen willst, findest du im [Guide zur Fußball-Vorbereitung] alle Grundlagen im Überblick.
Wichtig für alle Übungen
- Ball immer integrieren
- Wartezeiten vermeiden
- viele Wiederholungen ermöglichen
- Intensität über Spiel steuern
👉 Das ist der Schlüssel für effektives Ausdauertraining im Jugendfußball.
Praxis-Fazit für dich als Trainer:
Die besten Ausdauerübungen im Jugendfußball sehen nicht wie Ausdauertraining aus – sondern wie gutes Fußballtraining.
Genau darauf baut auch die Integration in deine Saisonplanung im nächsten Abschnitt auf.
Fußballspezifisches Ausdauertraining in die Jugend-Vorbereitung integrieren
In der Saisonvorbereitung legst du die Grundlage für die körperliche Leistungsfähigkeit deiner Spieler. Gerade im Jugendbereich geht es dabei aber nicht darum, möglichst viel „Kondition zu bolzen“, sondern die richtigen Reize zur richtigen Zeit zu setzen.
Ausdauer ist ein wichtiger Bestandteil – aber immer eingebettet in ein ganzheitliches Fußballtraining.
Ziel der Ausdauer in der Vorbereitung
In der Jugend-Vorbereitung verfolgst du drei zentrale Ziele:
- Aufbau einer stabilen aeroben Grundlage
- Vorbereitung auf wiederholte Spielbelastungen
- Gewöhnung an Trainingsintensität
👉 Wichtig:
Diese Ziele erreichst du nicht durch isoliertes Lauftraining, sondern durch strukturierte Spielformen.
Wenn du die Gesamtstruktur besser verstehen willst, findest du im [Guide zur Fußball-Vorbereitung] alle Grundlagen zur Planung und Belastungssteuerung.
Phase 1: Grundlagen schaffen (frühe Vorbereitung)
Fokus:
- Bewegung steigern
- Belastung langsam erhöhen
- viele Ballaktionen
Trainingsinhalte:
- kleine Spielformen (3v3, 4v4)
- große Felder mit viel Raum
- moderate Intensität
👉 Ziel:
Spieler an Belastung gewöhnen – ohne Überforderung
Phase 2: Intensität steigern (mittlere Vorbereitung)
Fokus:
- höhere Intensität
- mehr Richtungswechsel
- schnellere Aktionen
Trainingsinhalte:
- kleinere Felder → höhere Intensität
- mehr Zweikämpfe
- gezielte Spielformen mit Zeitdruck
👉 Ziel:
Ausdauer unter spielnahen Bedingungen entwickeln
Phase 3: Wettkampfnähe herstellen (späte Vorbereitung)
Fokus:
- fußballspezifische Belastung
- hohe Intensität in Spielformen
- Spielrealität simulieren
Trainingsinhalte:
- größere Spielformen (z. B. 6v6, 8v8)
- Spielformen mit klaren Aufgaben
- Trainingsspiele
👉 Ziel:
Spieler auf die Anforderungen im Wettkampf vorbereiten
Wie oft sollte Ausdauer in der Vorbereitung trainiert werden?
Im Jugendbereich gilt:
👉 Ausdauer ist kein eigener Trainingsblock – sondern Teil jeder Einheit.
Das bedeutet:
- 2–4 Trainingseinheiten pro Woche reichen aus
- jede Einheit enthält intensive Spielformen
- Belastung wird über Wochen gesteigert
Belastung richtig dosieren
Gerade in der Vorbereitung ist die richtige Steuerung entscheidend.
Achte auf:
- kurze, intensive Belastungen statt langer Einheiten
- ausreichende Pausen
- Anpassung an Altersstufe und Leistungsniveau
Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du hier alles zur Belastungssteuerung in der Fußball-Vorbereitung.
Typische Fehler von Jugendtrainern
Gerade im Ausdauertraining schleichen sich im Jugendfußball immer wieder die gleichen Fehler ein – oft gut gemeint, aber mit wenig Effekt oder sogar negativen Folgen für die Entwicklung der Spieler.
Wenn du diese Fehler vermeidest, bist du vielen Trainern bereits einen großen Schritt voraus.
Fehler 1: Klassisches Rundenlaufen ohne Ball
Der wohl häufigste Fehler:
Spieler laufen mehrere Minuten ohne Ball – oft zu Beginn oder am Ende des Trainings.
Das Problem:
- kaum Übertrag auf das Spiel
- geringe Motivation
- wenig Entwicklung der fußballspezifischen Ausdauer
👉 Besser:
Spielformen mit Ball, Bewegung und Entscheidungen
Fehler 2: Zu hohe Intensität im Kindertraining
Viele Trainer orientieren sich am Erwachsenenfußball und setzen zu früh auf intensive Belastungen.
Typische Beispiele:
- harte Intervallläufe
- „alles geben“-Einheiten
- zu lange Belastungszeiten
Das Problem:
👉 Kinder sind physiologisch noch nicht dafür ausgelegt.
Die Deutscher Olympischer Sportbund betont in seinen Grundlagen zum Nachwuchstraining, dass Belastung im Kindesalter entwicklungsangepasst und vielseitig gestaltet werden sollte.
👉 Besser:
- kurze Belastungen
- spielerische Intensität
- viele Pausen
Fehler 3: Ausdauer isoliert trainieren
Ein klassischer Denkfehler:
Ausdauer wird als eigener Trainingsblock betrachtet.
Das führt zu:
- monotonem Training
- weniger Ballaktionen
- geringerer Trainingsqualität
👉 Besser:
Ausdauer immer im Fußballkontext trainieren
Wenn du dir unsicher bist, wie das konkret aussieht, hilft dir der Guide zur Fußball-Vorbereitung mit einem strukturierten Überblick.
Fehler 4: Keine Anpassung an Altersstufe
Nicht jede Übung passt für jede Altersklasse.
Typische Probleme:
- gleiche Inhalte für alle Teams
- keine Differenzierung
- Über- oder Unterforderung einzelner Spieler
👉 Besser:
- Übungen altersgerecht anpassen
- Feldgrößen variieren
- Intensität steuern
Fehler 5: Zu wenig Spielformen
Wenn Training zu stark aus isolierten Übungen besteht, fehlt oft das Entscheidende:
👉 das Spiel selbst
Folgen:
- weniger Intensität
- weniger Motivation
- geringerer Trainingseffekt
👉 Besser:
- kleine Spiele als Kern jeder Einheit
- viele Ballaktionen
- Wettkampfcharakter nutzen
Fehler 6: Belastung wird nicht gesteuert
Viele Trainer lassen einfach „laufen“, ohne die Belastung bewusst zu steuern.
Das führt zu:
- zufälliger Intensität
- unklarer Trainingswirkung
- Risiko von Überforderung
👉 Besser:
Belastung gezielt über Spielformen, Dauer und Pausen steuern
Mehr dazu findest du in den Grundlagen zur Belastungssteuerung in der Fußball-Vorbereitung.
Der wichtigste Grundsatz zum Schluss
👉 Kinder verbessern ihre Ausdauer nicht durch härteres Training – sondern durch besseres Training.
Praxis-Fazit für dich als Trainer:
Wenn du Ausdauer im Jugendfußball verbessern willst, streiche monotone Laufeinheiten und setze auf intensives, spielnahes Training.
So entwickelst du nicht nur die Kondition deiner Spieler – sondern auch ihre Freude am Fußball.
👉 Im nächsten Schritt kannst du dir passende Übungen und komplette Trainingspläne für deine Saisonvorbereitung sichern.



