Eine gute Fußball-Vorbereitung entscheidet darüber, wie fit deine Mannschaft in die Saison startet – und wie viele Spieler du in den ersten Wochen verlierst. Genau hier kommt die Belastungssteuerung in der Fußball-Vorbereitung ins Spiel. Denn nicht zu wenig Training ist das Problem im Amateurfußball, sondern fast immer zu viel, zu früh oder falsch verteilt.
Viele Trainer kennen das: hohe Motivation nach der Pause, volle Trainingswochen, Testspiele am Wochenende – und plötzlich häufen sich Muskelverletzungen, müde Beine und Leistungseinbrüche. Ohne klare Struktur wird die Vorbereitung schnell zur Belastungsfalle statt zum Leistungsbooster.
In diesem Praxisguide erfährst du, wie du Belastung in der Fußball-Vorbereitung sinnvoll steuerst, worauf es in den einzelnen Phasen ankommt und welche einfachen Methoden auch ohne GPS, Leistungsdiagnostik oder Profi-Staff funktionieren. Der Fokus liegt dabei klar auf Amateurtrainern – von der Kreisklasse bis zur Oberliga, inklusive Jugend- und Damenmannschaften.
👉 Wenn du dir zuerst einen Überblick über die gesamte Fußball-Vorbereitung verschaffen willst, findest du im [kompletten Guide für Trainer] die passende Grundlage. In diesem Artikel gehen wir jetzt gezielt in die Tiefe – mit konkreten Beispielen, typischen Fehlern und direkt umsetzbaren Tipps für deinen Trainingsalltag.
Was bedeutet Belastungssteuerung im Fußball?
Kurzdefinition aus Trainersicht
Belastungssteuerung im Fußball bedeutet, Training und Spiele so zu planen,
dass deine Mannschaft schrittweise fitter wird, ohne unnötige Ermüdung oder Verletzungen zu riskieren.
Es geht also nicht darum, möglichst viel zu trainieren, sondern zur richtigen Zeit die richtige Belastung zu setzen.
Für dich als Trainer heißt das konkret:
- Wie oft trainieren wir pro Woche?
- Wie intensiv sind die Einheiten?
- Wann wird Belastung gesteigert – und wann bewusst reduziert?
Gute Belastungssteuerung sorgt dafür, dass Spieler Leistung aufbauen, statt sie im Training zu verbrennen.
Abgrenzung: Belastung vs. Beanspruchung
In der Praxis werden diese Begriffe oft verwechselt – dabei ist der Unterschied entscheidend.
Belastung beschreibt das, was du vorgibst:
- Trainingsdauer
- Intensität der Spielformen
- Laufumfänge
- Anzahl der Einheiten pro Woche
Beanspruchung ist das, was beim Spieler ankommt:
- individuelle Ermüdung
- körperlicher Stress
- Regenerationsbedarf
Zwei Spieler können also dieselbe Trainingseinheit absolvieren –
aber komplett unterschiedlich beansprucht sein.
Genau deshalb funktioniert Einheitsbelastung im Amateurfußball nur sehr eingeschränkt.
👉 Eine saubere Einordnung der Grundlagen findest du auch im Artikel [Fußball Vorbereitung – Der komplette Guide für Trainer], im Abschnitt zu Trainingsplanung und Belastung.
Warum „mehr Training“ nicht automatisch besser ist
Ein häufiger Denkfehler in der Vorbereitung:
„Viel hilft viel.“
In der Realität führt zu hohe Belastung oft zu:
- Leistungseinbrüchen nach wenigen Wochen
- erhöhter Verletzungsanfälligkeit
- mentaler Müdigkeit
- schlechter Trainingsqualität
Leistungssteigerung entsteht nicht im Training selbst,
sondern in der Anpassung danach – also in der Regeneration.
Fehlt diese Anpassungszeit, kippt der Effekt:
Statt fitter wird die Mannschaft müde und anfällig.
Deshalb ist Belastungssteuerung kein „Extra-Thema“,
sondern die Basis jeder erfolgreichen Fußball-Vorbereitung – egal ob Kreisklasse, Jugend oder ambitionierter Amateurbereich.
Warum ist Belastungssteuerung in der Vorbereitung so entscheidend?
Gerade im Amateurfußball wird Belastungssteuerung oft unterschätzt – mit spürbaren Konsequenzen für Leistung und Gesundheit. In der Vorbereitung entscheidet sich, ob deine Mannschaft stark, stabil und verletzungsfrei in die Saison startet oder ob Müdigkeit, Muskelprobleme und Ausfälle den Fortschritt bremsen.
Typische Probleme im Amateurbereich
Zu schneller Belastungsanstieg
Viele Teams starten nach der Winter- oder Sommerpause mit einem sprunghaften Trainingsvolumen. Ohne abgestufte Steigerung steigt das Ermüdungsniveau plötzlich – ein riesiger Risikofaktor für Überlastungserscheinungen und Muskelprobleme.
Unregelmäßige Trainingsbeteiligung
Im Amateurbereich ist die Trainingsbeteiligung oft unterschiedlich: Beruf, Schule, Familie und Krankheit führen zu Lücken im Training. Das erschwert eine gleichmäßige Belastungsentwicklung und macht einzelne Spieler anfälliger für Verletzungen.
Trainingslager ohne Struktur
Testspiele, zusätzliche Einheiten und lange Trainingstage ohne klare Periodisierung pushen zwar kurzfristig die Intensität, aber bringen schnell unnötig hohe Belastungsspitzen, wenn sie nicht sauber in ein Belastungsprogramm eingebettet sind.
Viele Verletzungen in Woche 2–4
Ein klassisches Muster: In Woche 1 sind alle noch frisch, in Woche 2 wird gesteigert – und ab Woche 3 melden sich schließlich Muskelprobleme und Zipperlein. Das ist kein Zufall, sondern ein Hinweis auf fehlende Steuerung der Belastung, also auf zu hohe oder zu plötzlich ansteigende Belastung.
Zusammenhang Leistung ↔ Verletzungsrisiko
Belastungssteuerung ist kein „Nice-to-have“, sondern zentraler Leistungsfaktor:
- Eine gut gesteuerte Vorbereitung baut Fitness progressiv auf, steigert Leistung und Lauffähigkeit.
- Gleichzeitig reduziert sie das Risiko für muskuloskelettale Verletzungen und Ermüdungserscheinungen.
Studien aus der Sportwissenschaft unterstreichen diesen Zusammenhang: Eine Analyse von Profifußball-Teams zeigt, dass eine höhere Anzahl sinnvoll strukturierter Trainingseinheiten in der Vorbereitung mit einer niedrigeren Verletzungsbelastung in der Saison korreliert – also weniger Ausfalltage und mehr Spielverfügbarkeit der Spieler.
Das bedeutet für dich als Amateurtrainer: Nicht einfach „mehr ist besser“, sondern „gezielt steigern und Regeneration einplanen“ führt zu fitteren und gesünderen Spielern.
Sieh dir auch den Artikel zu [Regeneration & Verletzungsprophylaxe] an – dort gehen wir vertieft darauf ein, wie du Erholung gemeinsam mit Belastung steuerst.
Die wichtigsten Belastungsfaktoren im Überblick
Um Belastung in der Fußball-Vorbereitung sinnvoll zu steuern, musst du wissen, an welchen Stellschrauben du überhaupt drehen kannst. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen externer und interner Belastung.
Beide gehören zusammen – und genau hier liegt im Amateurfußball oft der Knackpunkt.
Externe vs. interne Belastung – kurz erklärt
| Externe Belastung (Trainer steuert) | Interne Belastung (Spieler reagiert) |
|---|---|
| Trainingsdauer | subjektives Belastungsempfinden (RPE) |
| Laufumfang | Ermüdung |
| Intensität | Regenerationsfähigkeit |
| Trainingshäufigkeit | individuelle Voraussetzungen |
👉 Wichtig: Du kannst nur die externe Belastung planen, die interne Belastung entscheidet aber darüber, ob das Training wirkt – oder schadet.
Externe Belastung: Das kannst du konkret steuern
Laufumfang
- Gesamte Laufdistanz pro Einheit oder Woche
- besonders relevant in der frühen Vorbereitungsphase
- typischer Fehler: zu viel Umfang + zu hohe Intensität gleichzeitig
Intensität (Tempo & Spielformen)
- Tempo der Laufübungen
- Intensität der Spielformen (z. B. kleine Felder, Zeitdruck, viele Richtungswechsel)
- Intensität ist oft der größere Belastungstreiber als der reine Umfang
Trainingshäufigkeit
- Anzahl der Einheiten pro Woche
- Kombination aus Training + Testspielen
- auch „kurze, harte“ Einheiten zählen voll zur Wochenbelastung
👉 Gerade im Zusammenspiel dieser drei Faktoren entstehen Belastungsspitzen – oft unbewusst.
Interne Belastung: Was bei deinen Spielern wirklich ankommt
Subjektives Belastungsempfinden (RPE)
- einfache Skala (z. B. 1–10)
- extrem wertvoll im Amateurbereich
- hilft dir zu erkennen, ob geplante Belastung auch so ankommt
Ermüdung
- schwere Beine
- Konzentrationsprobleme
- sinkende Trainingsqualität
→ klare Warnsignale, die ernst genommen werden sollten
Individuelle Voraussetzungen
- Trainingszustand nach der Pause
- Alter, Verletzungshistorie
- berufliche und schulische Belastung
Zwei Spieler, gleiche Einheit – völlig unterschiedliche Beanspruchung.
Deshalb funktioniert ein „Einheitsprogramm“ in der Vorbereitung nur sehr begrenzt.
Praxis-Takeaway für Trainer
👉 Belastungssteuerung heißt nicht, alles zu messen, sondern:
- externe Belastung bewusst zu planen
- interne Belastung regelmäßig abzufragen
- Belastung anzupassen, bevor Probleme entstehen
Wenn du verstehen willst, wie Laufumfang und Intensität im Fußball sinnvoll aufgebaut werden, ist der Artikel [Ausdauertraining im Fußball] die perfekte Ergänzung zu diesem Abschnitt.
Typische Fehler bei der Belastungssteuerung in der Vorbereitung
In der Theorie ist Belastungssteuerung logisch – in der Praxis passieren in der Fußball-Vorbereitung aber immer wieder dieselben Fehler. Viele davon kosten Leistung, Trainingszeit und im schlimmsten Fall Spieler.
Hier die häufigsten Stolperfallen im Amateurbereich – und warum sie problematisch sind.
Zu viel Umfang zu früh
Ein klassischer Fehler:
Nach der Pause wird direkt mit langen Läufen, vielen Spielformen und hohen Wochenumfängen gestartet.
Das Problem:
- Der Körper ist noch nicht vorbereitet
- Sehnen, Muskeln und passiver Bewegungsapparat passen sich langsamer an als das Herz-Kreislauf-System
- das Verletzungsrisiko steigt deutlich
👉 Regel: Umfang progressiv steigern, nicht auf einmal abrufen.
Keine fußballspezifischen Konditionsübungen
Reines Dauerlaufen oder monotone Konditionseinheiten verbessern zwar kurzfristig die Grundlagenausdauer,
haben aber nur begrenzten Transfer auf das Spiel.
Folgen:
- geringe Spielnähe
- zusätzliche Ermüdung ohne Leistungsgewinn
- Demotivation bei Spielern
Fußballspezifische Ausdauerübungen verbinden:
- Laufen
- Ball
- Entscheidungen
- Spielintensität
👉 Qualität schlägt Quantität.
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Jede Einheit „hart“
„Wir haben ja nur zwei Trainingstage – also müssen beide richtig knallen.“
Genau das ist ein häufiger Fehler.
Dauerhaft hohe Intensität führt zu:
- chronischer Ermüdung
- sinkender Trainingsqualität
- erhöhter Verletzungsanfälligkeit
Nicht jede Einheit muss maximal intensiv sein.
Abwechslung zwischen intensiven, mittleren und regenerativen Inhalten ist entscheidend für Fortschritt.
Nicht genug Zeit für Regeneration
(negative Leistungsentwicklung)
Leistung entsteht nicht im Training, sondern in der Anpassung danach.
Fehlt Regeneration, bleibt diese Anpassung aus – oder kehrt sich sogar ins Gegenteil um.
Typische Anzeichen:
- Spieler werden trotz Training langsamer
- schwere Beine über mehrere Tage
- stagnierende oder sinkende Leistung
👉 Der Zusammenhang zwischen Belastung, Erholung und Leistungsentwicklung wird im Superkompensations-Modell erklärt – ein zentrales Thema für jede saubere Trainingsplanung.
Zu geringe Intensität
Auch das Gegenteil ist problematisch:
Zu niedrige Intensität über mehrere Wochen führt zu:
- keiner ausreichenden Belastung
- fehlenden Anpassungsreizen
- keiner messbaren Leistungssteigerung
Gerade in wettkampfnahen Phasen braucht es:
- hohe Intensität
- spielnahe Belastung
- klare Reize
Belastungssteuerung heißt nicht Schonung, sondern gezielte Dosierung.
Keine Anpassung an Spielklasse
Ein Trainingsplan ist nicht automatisch für jede Mannschaft geeignet.
Unterschiede zwischen Kreisklasse, Bezirksliga oder höher:
- Trainingshäufigkeit
- athletische Voraussetzungen
- Regenerationsfähigkeit
- Belastung durch Job, Schule, Studium
Was für eine ambitionierte Bezirksliga-Mannschaft funktioniert,
kann in der Kreisklasse schnell zur Überforderung werden.
👉 Deshalb ist eine Anpassung an die Spielklasse entscheidend – passende Beispiele findest du in den jeweiligen Vorbereitungsplänen für Kreisklasse, Kreisliga, Bezirksliga & Landesliga und Oberliga.
Belastungssteuerung nach Phasen der Vorbereitung
Eine erfolgreiche Fußball-Vorbereitung folgt keinem Zufallsprinzip.
Die Belastung sollte sich phasenweise verändern – mit einem klaren Ziel in jeder Phase. Genau hier scheitern viele Teams: Sie trainieren wochenlang gleich, statt die Belastung gezielt zu steuern.
Frühe Vorbereitungsphase (Grundlagen)
Ziel: Den Körper wieder belastbar machen und die Basis legen.
Belastungscharakter:
- hoher Umfang
- geringe bis moderate Intensität
In dieser Phase geht es nicht darum, maximale Intensitäten zu fahren,
sondern den Körper schrittweise an steigende Belastung zu gewöhnen.
Trainingsschwerpunkte:
- Ausdauer (aerobe und anaerobe Basis)
- Kraftausdauer
- Technik unter geringer Ermüdung
Typisch sind:
- längere Spielformen mit moderatem Tempo
- Intervallformen mit klaren Pausen
- Fußballspezifische Intervallläufe
- Kraftzirkel
- Technikübungen ohne Zeit- und Gegnerdruck
👉 Diese Phase ist besonders wichtig in der Winter-Vorbereitung, da sie das Fundament für alle weiteren Belastungen bildet.
Hauptphase (Belastungsspitze)
Ziel: Leistungsfähigkeit aufbauen und spielnahe Intensitäten erreichen.
Belastungscharakter:
- hohe Intensität
- moderater Umfang
Jetzt werden die entscheidenden Reize gesetzt.
Die Intensität steigt deutlich – nicht nur in den Intervallläufen, sondern vor allem in den Spielformen.
Trainingsschwerpunkte:
- intensivere bis intensive Spielformen
- Schnellkraft und Explosivkraft mit Plyometrics
- Intermuskuläre Koordination
- Technik und Entscheidungsfindung unter Ermüdung
Typisch für diese Phase:
- kleine Felder, hohe Aktionsdichte
- viele Richtungswechsel
- kurze Pausen
- Testspiele als Belastungsspitzen
👉 Wichtig: Diese Phase funktioniert nur, wenn die Grundlagen sauber gelegt wurden.
Wettkampfnahe Phase (Tapering)
Ziel: Frische erzeugen – nicht mehr „fit machen“.
In den letzten Tagen vor dem Saisonstart ist die Belastungssteuerung besonders sensibel.
Belastungscharakter:
- reduzierter Umfang
- hohe Intensität
- ausreichend Regeneration
Die Spieler sollen sich:
- schnell
- spritzig
- mental frisch
fühlen – nicht müde oder „leer“.
Typische Inhalte:
- kurze, intensive Spielformen
- wettkampfnahes Tempo
- klare und ausreichend Pausen
- weniger Gesamtminuten
- Sprints
👉 Hier wird die Leistungsspitze ausgebildet.
Jetzt geht es darum, die erarbeitete Fitness abrufbar zu machen.
Hier gibt’s noch mehr Details zu den Belastungsphasen im Sommer und Winter:
Sommer-Vorbereitung Fußball – kürzere Vorbereitung mit höherem Ausgangsniveau
Winter-Vorbereitung Fußball – lange Vorbereitung mit oft fehlender Basis
Praktische Methoden zur Belastungssteuerung für Amateurtrainer
Die beste Belastungssteuerung nutzt dir nichts, wenn sie im Trainingsalltag nicht umsetzbar ist. Gerade im Amateurbereich sind einfache, aber zuverlässige Methoden entscheidend – ohne GPS, ohne Profi-Software. Die folgenden Tools helfen dir, Belastung bewusst zu planen, zu beobachten und anzupassen.
Subjektive Methoden (ohne Technik)
RPE-Skala (Rate of Perceived Exertion)
Die RPE-Skala (z. B. Borg CR10) ist ein praktisches Werkzeug, mit dem Spieler nach einer Einheit angeben, wie anstrengend das Training für sie war. So bekommst du eine direkte Rückmeldung über die individuelle Beanspruchung – unabhängig von Pulsuhr oder GPS.
Die Wirksamkeit der RPE-Messung für das Monitoring der internen Belastung im Fußball ist wissenschaftlich gut belegt: Studien zeigen, dass RPE-basierte Messungen zuverlässig mit anderen internen Belastungsparametern korrelieren und sich gut zur Steuerung des Trainings eignen.
Wie du es nutzt:
- Frage nach jeder Einheit: „Wie anstrengend war die heutige Einheit von 1–10?“
- Notiere den Wert, um Wochenverläufe und Belastungsspitzen zu erkennen.
Spielerfeedback
Direktes Feedback aus der Mannschaft liefert qualitativ wichtige Informationen über:
- Müdigkeit
- Muskelkater
- Schlafqualität
- Motivation im Training
Solche subjektiven Daten helfen dir, Belastung schnell anzupassen – oft schneller als objektive Messwerte.
Einfache Ermüdungschecks
Kurze Checks wie:
- Sprungkrafttest (z. B. CMJ)
- Reaktionsübungen
- subjektives Ermüdungsempfinden vor dem Training
geben Hinweise darauf, welche Spieler noch leistungsfähig sind und welche eher Regeneration brauchen.
Einfache objektive Methoden
Auch wenn du nicht mit Profi-Tracking arbeitest, lassen sich objektive Belastungsparameter mit geringem Aufwand messen.
Trainingsdauer × Intensität
Die klassische Formel:
Trainingsdauer × RPE = Session-RPE (sRPE)
Diese einfache Multiplikation verbindet Zeit und subjektive Intensität zu einem Belastungswert. Über einen Wochenvergleich kannst du so Belastungsspitzen früh erkennen.
Wochenbelastung vergleichen
- Gesamtminuten aller Einheiten
- summierte sRPE-Werte
→ compare Woche n mit Woche n-1
So erkennst du, ob die Belastung zu schnell steigt – ein häufiger Risikofaktor für Überlastung und Verletzungen.
Verhältnis Training/Spiel
Gerade in der Vorbereitung variieren Einheiten und Testspiele stark.
Ein einfaches Verhältnis hilft dir zu beurteilen, ob zu viele Spiele auf zu wenig Training folgen oder umgekehrt.
Bewusst kein Profi-GPS-Overkill…
Für den Amateurtrainer zählt: einfach, verständlich, umsetzbar. High-End-Technik wie GPS-Tracking oder Herzfrequenzmessung kann zusätzliche Informationen liefern, ist aber keine Voraussetzung für eine funktionierende Belastungssteuerung.
Wenn du tiefer in objektive Methoden und Leistungsdiagnostik einsteigen willst, gibt es dafür Cluster-Beiträge, die das Thema systematisch erweitern (z. B. Ausdauer, Regeneration, Testspiele).
Beispiel: Wochenbelastung in der Fußball-Vorbereitung
Damit du Belastung nicht nur theoretisch verstehst, sondern praktisch anwenden kannst, zeigen wir dir hier eine beispielhafte Wochenbelastung. Dieses Modell lässt sich flexibel an verschiedene Mannschaften und Spielklassen anpassen – von Kreisliga bis Bezirksliga.
Dieses Video ist Teil einer Serie, die Schritt für Schritt erklärt, wie du einen Trainingsplan für die Vorbereitung erstellst – inklusive Belastungssteuerung für Woche 1.
Struktur einer typischen Vorbereitungswoche
| Wochentag | Inhalt | Belastung |
|---|---|---|
| Mo | Ausdauer + Technik | 🔹 moderat |
| Di | Spielformen | 🔸 moderat – hoch |
| Mi | Regeneration/leichte Bewegung | ◼️ gering |
| Do | Ausdauer + Koordination | 🔹 moderat |
| Fr | Spielformen spielnah | 🔸 moderat – hoch |
| Sa | Testspiel oder intensive Einheit | 🔸 sehr hoch |
| So | Ruhe/Regeneration | ◼️ sehr gering |
Erklärung des Wochenplans
📌 Montag – Grundlagen & Technik
Start in die Woche mit moderatem Umfang und niedriger Intensität:
- lockere Läufe
- Technik unter geringer Ermüdung
→ dient als Aufbau nach Wochenende oder Pause.
📌 Dienstag – Intensive Spielformen
Heute setzt du klare Reize:
- 4v4 oder 5v5 Spielformen
- kurze, knackige Läufe
- Tempo & Druck
→ hoher Trainingsreiz, nicht maximaler Umfang.
📌 Mittwoch – Regeneration & leichte Bewegung
Ein Pflichttermin für gute Belastungssteuerung:
- lockeres Auslaufen
- Mobilisation/Stretching
→ hilft der Superkompensation und reduziert Verletzungsrisiko.
📌 Donnerstag – Ausdauer & Koordination
Leichte bis moderate Einheit, um die Woche stabil zu halten.
Ziel: Grundlagenausdauer erhält halten, Ermüdung kontrollieren.
📌 Freitag – Spielnahe Belastung
Intensive Spielformen mit hohem taktischen Anteil:
- Pressing-Situationen
- Spielaufbau unter Druck
→ hoher Reiz, aber weniger Dauer als Samstag.
📌 Samstag – „Schärfung“ oder Testspiel
Wenn möglich, Testspiel oder intensivste Einheit der Woche:
→ höchste Belastung, aber gut geplant nach Freitagregeneration.
📌 Sonntag – aktive Erholung
Ruhetag oder aktive Regeneration:
- Stretching
- Spazieren gehen
- leichtes Ausdauertraining
So funktioniert die Belastungssteuerung Woche für Woche
Dieses Modell zeigt dir, wie du umfang, Intensität und Regeneration kombiniert steuerst, statt am Montag alles zu geben und am Donnerstag zu überladen. Die Wochenstruktur hilft dir:
✅ Überlastung zu vermeiden
✅ Fortschritte planbar zu machen
✅ Trainingsqualität zu steigern
✅ Spieler frisch zum Wochenende zu bringen
Das Video oben liefert dir darüber hinaus eine visuelle Anleitung zur Erstellung eines Trainingsplans, inklusive Beispielen für Belastungsschwerpunkte pro Tag.
Belastungssteuerung nach Spielklasse & Zielgruppe
Eine der größten Fehlerquellen in der Fußball-Vorbereitung ist der Versuch, ein Belastungsmodell auf alle Mannschaften zu übertragen. Spielklasse, Alter und Lebensrealität der Spieler bestimmen maßgeblich, wie viel Belastung sinnvoll ist – und wie viel schadet.
Kreisklasse / Kreisliga
Rahmenbedingungen:
- geringere Regenerationsfähigkeit
- Job, Schichtarbeit, Studium, Familie
- oft unregelmäßige Trainingsbeteiligung
Konsequenzen für die Belastungssteuerung:
- moderates Trainingsvolumen
- klare Trennung zwischen intensiven und lockeren Einheiten
- lieber 2 saubere Einheiten + Spiel als 3–4 halbherzige mit geringer Teilnahme
Belastung sollte hier konservativ gesteigert werden.
Nicht die absolute Intensität entscheidet, sondern Konstanz und Durchführbarkeit.
👉 Passende Praxisbeispiele findest du im Artikel „Vorbereitungsplan Kreisliga“.
Bezirks-, Landes- und Oberliga
Rahmenbedingungen:
- leistungsbereite Spieler
- höhere Trainingsdisziplin
- mehr Trainingszeit pro Woche
Belastungssteuerung in diesen Klassen:
- klar strukturierte Periodisierung
- höheres bis hohes Trainingsvolumen
- höhere Reizdichte innerhalb der Einheiten
Wichtig:
Auch hier gilt – die Spieler sind keine Profis.
Berufliche Belastung, Studium oder Ausbildung bleiben ein entscheidender Faktor für Regeneration und Belastungsverträglichkeit.
👉 Deshalb funktioniert ambitioniertes Training nur, wenn Belastung gezielt geplant und überwacht wird – passende Modelle findest du hier: „Vorbereitungsplan Bezirks- & Landesliga / Oberliga“.
Jugendmannschaften
Bei Jugendlichen ist Belastungssteuerung besonders sensibel.
Besonderheiten:
- Wachstumsschübe
- schulische Belastung
- noch nicht voll entwickelte Koordination
Schwerpunkte in der Vorbereitung:
- Technik und Koordination
- spielerische Ausdauerformen
- geringe monotone Belastungen
Zu hohe oder einseitige Belastung kann hier langfristige Probleme verursachen. Entwicklung steht klar vor kurzfristiger Leistungssteigerung.
👉 Mehr dazu im Artikel „Jugend Fußball Vorbereitung“.
Damenmannschaften
Auch im Damenfußball ist individuelle Belastungssteuerung entscheidend.
Typische Faktoren:
- unterschiedliche Trainingshistorien
- individuelle Belastungsverträglichkeit
- teils geringere muskuläre Ausgangsbasis
Empfehlungen:
- progressive Belastungssteigerung
- klare Regenerationsphasen
- individuelles Feedback besonders ernst nehmen
Ein gut gesteuertes Training führt hier oft zu sehr schnellen Leistungsfortschritten – ohne unnötiges Verletzungsrisiko.
👉 Vertiefende Inhalte findest du im Cluster „Damen Fußball Vorbereitung“.
Checkliste für Trainer: Belastung richtig steuern
Diese Checkliste hilft dir, die Belastungssteuerung in der Fußball-Vorbereitung einfach und sauber umzusetzen – unabhängig von Spielklasse oder Trainingshäufigkeit.
Ideal zum Abspeichern, Ausdrucken oder Weitergeben im Trainerteam.
✅ Belastungssteuerung – Kurzcheck für die Vorbereitung
- ⬜ Belastung progressiv steigern
Kein sprunghafter Umfangs- oder Intensitätsanstieg nach der Pause. - ⬜ Umfang und Intensität bewusst trennen
Nicht gleichzeitig viel und hart trainieren. - ⬜ Harte und leichte Tage einplanen
Jede Woche braucht Belastungsspitzen und Entlastung. - ⬜ Spielerfeedback regelmäßig einholen (RPE)
Wahrnehmung der Spieler ernst nehmen – nicht nur den Trainingsplan. - ⬜ Regeneration fest einbauen
Anpassung entsteht in der Pause, nicht in der Einheit. - ⬜ Belastung an Spielklasse und Alltag anpassen
Job, Schule und Studium sind Teil der Gesamtbelastung. - ⬜ Vor Wettkampfbeginn Umfang reduzieren (Tapering)
Frische erzeugen – nicht „auf den letzten Drücker fit machen“.
👉 Bonus für deine Vorbereitung:
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Häufige Fragen zur Belastungssteuerung in der Fußball-Vorbereitung (FAQ)
Was versteht man unter Belastungssteuerung im Fußball?
Belastungssteuerung im Fußball bedeutet, Trainingsumfang, Intensität und Regeneration gezielt zu planen, damit Spieler leistungsfähiger werden, ohne sich zu überlasten oder zu verletzen. Entscheidend ist nicht die Menge des Trainings, sondern die richtige Dosierung über mehrere Wochen.
Wie viel Training ist in der Fußball-Vorbereitung sinnvoll?
Das hängt von Spielklasse, Trainingszustand und Alltag der Spieler ab.
Für die meisten Amateurmannschaften sind 2–3 Trainingseinheiten pro Woche plus Testspiel realistisch. Wichtig ist, die Belastung schrittweise zu steigern und nicht jede Einheit maximal intensiv zu gestalten.
Warum kommt es in der Vorbereitung häufig zu Verletzungen?
Viele Verletzungen entstehen durch:
- zu schnellen Belastungsanstieg
- fehlende Regeneration
- dauerhaft hohe Intensität
Besonders kritisch sind Woche 2–4 der Vorbereitung, wenn die Belastung steigt, der Körper sich aber noch nicht vollständig angepasst hat.
Wie kann ich Belastung ohne GPS oder Technik steuern?
Auch ohne Technik ist gute Belastungssteuerung möglich:
- RPE-Skala (subjektives Belastungsempfinden)
- Trainingsdauer × Intensität
- regelmäßiges Spielerfeedback
- bewusste Planung harter und leichter Tage
Diese Methoden sind praxisnah, zuverlässig und im Amateurfußball völlig ausreichend.
Was ist wichtiger: Umfang oder Intensität?
Beides ist wichtig – aber nicht gleichzeitig.
In der frühen Vorbereitung steht eher der Umfang im Vordergrund, später die Intensität. Werden beide Faktoren gleichzeitig stark erhöht, steigt das Verletzungsrisiko deutlich.
Muss die Belastungssteuerung an die Spielklasse angepasst werden?
Ja, unbedingt.
Kreisklasse, Bezirksliga oder Oberliga unterscheiden sich stark in:
- Trainingshäufigkeit
- Regenerationsfähigkeit
- Lebensrealität der Spieler
Ein Trainingsplan muss immer zur Mannschaft passen, nicht zur Wunschvorstellung des Trainers.
Wann sollte die Belastung vor Saisonbeginn reduziert werden?
In der wettkampfnahen Phase (Tapering), etwa 7 Tage vor dem ersten Pflichtspiel.
Der Umfang wird reduziert, die Intensität bleibt hoch – Ziel ist Frische, nicht zusätzliche Fitness.








